Schlössli Wartegg
Geschichte des Schlössli Wartegg
Aus den Akten des Stadtarchives geht hervor, dass die als Wartegg-Schlössli bezeichnete Gebäulichkeiten zeitlich unabhängig voneinander erbaut worden sind. Das Landhaus wird erstmals 1866 in der
„Tribschenchronik „ erwähnt. Das Schlössli wurde erst im Jahre 1903 an die Westseite des Landhauses angebaut. Besitzer des Hauses war Oberst Walter am Rhyn, er verkaufte diese Liegenschaft im Jahre
1889 an Frau Minnie Hauk, Ehegattin des Baron Ernst von Hesse-Wartegg.
Minnie Hauk war eine berühmte Sängerin und bewohnte zusammen mit ihrem Mann während 40 Jahren das Schlössli Wartegg. Nach dem Tode von Minnie Hauk im Jahre 1929 gelang die Stadt Luzern als Erbin in
den Besitz der gesamten Liegenschaft. Zum Andenken an die Künstlerin ist ein Saal im Schössli Wartegg auf ihren Namen getauft worden.
Minnie Hauk: Operndiva auf Europas Bühnen
Minnie Hauk wurde als Tochter eines Mathematikers 1853 in den USA geboren. Schon früh kam sie mit dem Theater in Berührung, und bereits mit sechs Jahren stand sie in einem Melodrama auf der Bühne.
Während des Bürgerkrieges in Amerika lernte sie Klavierspielen und Singen. Mit 17 Jahren debütierte sie in Paris als neuer Stern am Opernhimmel und wurde bald in ganz Europa als Primadonna gefeiert.
Die Bühnen von London, Moskau, Wien, Budapest und Berlin waren ihr zuhause. Berühmte Künstler wie Franz Liszt, Richard Wagner oder Enrico Caruso zählte sie zu ihrem Bekanntenkreis.
Immer wieder besuchten nahmhafte Persönlichkeiten aus ganz Europa im Schlössli Wartegg das Ehepaar, um den Gesang von Minnie Hauk zu lauschen oder die Kunstschätze aus aller Welt zu bewundern, die
Ernst von Hesse-Wartegg, der Reiseschriftsteller, Ethnologe und Hofrat, von seinen Expeditionen mitbrachte. Nach den Tode ihrer Mutter, die Minnie Hauk während der gesamten Künstlerlaufbahn zur Seite
stand, beendete die begnadete Sängerin ihre Künstlerkarriere. Als dann nach 37 Ehejahren auch noch ihr Mann verstarb, zog sich Minnie Hauk vollends aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Die
Geldentwertung der Kriegs- und Nachkriegszeit brachte sie in grosse finanzielle Nöte. Zu ihrem materiellen Unglück kam auch noch ein Augenleiden, das zur Erblindung führte. Am 3. Februar 1929 starb
Minnie Hauk mit 76 Jahren. In ihren Testament setzte sie die Stadt als Erbin ihres Vermögens und der Liegenschaft Wartegg ein und gedachte verschiedener wohltätiger Institutionen.